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Vier Säulen der community-basierten Antigewaltarbeit von LesMigraS

Die community-basierte Antigewaltarbeit von LesMigraS hat vier Säulen:


1. Präsenz an LSBTI-Orten

Wir sind an den Orten präsent, wo sich LBTI aufhalten und an den Orten, wo potentiell Gewalt und Diskriminierung stattfindet. Über diese Präsenz vor Ort wollen wir die Hürden abbauen, eine Beratungsstelle aufzusuchen. In ersten Gesprächen mit Menschen vor Ort können wir gemeinsam erste Handlungsstrategien finden. Unser Ziel ist dabei auch, auf Diskriminierung und Gewalt als Themen innerhalb der Szenen hinzuweisen. Unser Schwerpunkt liegt dabei auf Rassismus und Trans*diskriminierung innerhalb von LSBTI-Szenen.
Beispielsweise haben wir in verschiedenen Kneipen und Cafés Schilder in den Toiletten angebracht, um auf Diskriminierung und Gewalt hinzuweisen und unsere Kärtchen mit Adressen zur Unterstützung bei Gewalt gegen Lesben, bisexuelle Frauen, Inter* und Trans* hinterlegt.


2. Unterstützung für betroffene Personen

Wir entwickeln zusammen mit Personen, die Gewalt/ Diskriminierung erlebt haben, vielfältige Handlungsstrategien. Dabei gehen wir nicht nach einem Schema F vor. Viele Menschen kommen mit offenen Fragen in die Beratung, wie sie mit ihren Gewalterfahrungen umgehen sollen/ können. Einige davon kommen mit der Frage, ob sie eine Anzeige erstatten oder wegen Diskriminierung klagen sollen. Uns bei LesMigraS ist es wichtig, keine Umgangsstrategie vorzuschreiben, sondern gemeinsam nach dem passenden Weg zu suchen. Eine Anzeige oder Klage ist dabei eine Möglichkeit unter vielen. In unserer Arbeit ist uns eine Sensibilität für staatliche Gewalt und strukturelle Diskriminierung wichtig und fließt in die Entwicklung von Handlungsstrategien mit ein. Jede Person erlebt einzelne Gewalt- und Diskriminierungssituationen unterschiedlich je nach dem, welchen strukturellen Diskriminierungsformen und Ausschlüssen eine Person ausgesetzt ist. Auch die Frage, welche Handlungsstrategien einer Person zur Verfügung stehen, sollte sich deswegen an strukturellen Diskriminierungserfahrungen orientieren. Unsere Studie hat beispielsweise gezeigt, dass 26,8% der Studienteilnehmer_innen angeben, dass eine lesbische/bisexuelle Lebensweise negative Auswirkungen auf die Chancen hat, von der Polizei geschützt zu werden. Für People of Color und Trans* sind die Einschätzungen noch drastischer.
Trans*, Inter*, People of Color und Menschen, die Mehrfachdiskriminierung erleben, berichten häufig, dass sie alltäglich Diskriminierung ausgesetzt sind, die sie als Gewalt erleben. Oft geht es nicht darum, einzelne Diskriminierungssituationen herauszugreifen, um gegen diese vorzugehen. Stattdessen gibt es das Bedürfnis, alltagstaugliche Umgangsstrategien zu entwickeln und sich selbst zu stärken. Dabei gibt es häufig den Wunsch, das soziale Umfeld einzubinden und von diesem Verständnis für die erlebte Gewalt und Diskriminierung zu erhalten.


3. Sensibilisierung für Unterstützung bei Gewalt und Diskriminierung

Viele Personen, die Gewalt und Diskriminierung erleben, wenden sich an ihr soziales Umfeld, um Unterstützung zu erhalten. Allerdings ist das soziale Umfeld häufig überfordert und weiß nicht, was es tun soll oder könnte. Manchmal ist das Problem auch, dass die geschilderte Situation nicht als gewaltvoll oder diskriminierend wahrgenommen wird. Betroffene Personen fühlen sich deswegen oft unverstanden und allein gelassen oder stellen sogar ihre eigenen Erfahrungen in Frage.
Unser Motto ist: Unterstützung kann gelernt werden. In unserer Broschüre „Unterstützung geben“ vermitteln wir ein Grundverständnis von Gewalt und bieten verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten an. Die Broschüre gibt es hier als pdf oder kann bei uns in Printversion bestellt werden. Außerdem bieten wir regelmäßig Workshops zu dem Thema an.


4. Austausch zu Diskriminierungssensibilität

Da es uns darum geht, Gewalt und Diskriminierung langfristig abzubauen, stellen wir uns die Frage: Wie lassen sich diskriminierungssensible Communities schaffen? Unser Ziel ist es, LSBTI-Communities für Gewalt und Diskriminierung zu sensibilisieren und kollektive Handlungsstrategien zu entwickeln. Deswegen bieten wir Treffen und Workshops zu diesen Themen und Fragen für Veranstaltungsorte und Vorbereitungsgruppen von Konferenzen, Camps etc. an. Mögliche Themen sind dabei: Wie können wir/ kann ich in Gewalt- und Diskriminierungssituationen intervenieren? Wie können wir Strukturen aufbauen, um als Verantwortliche ansprechbar zu sein? Wie können wir unsere Einladungspolitik diskriminierungssensibel gestalten und Ausschlüsse nach Möglichkeit verhindern? Wie können wir im Team diskriminierungssensibel zusammenarbeiten?
Anfragen können per Mail (info@lesmigras.de) an uns gerichtet werden, oder über unser Kontaktformular.

Quelle: http://www.lesmigras.de