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Schluss mit rassistischem Sprachgebrauch - Pressemitteilung anlässlich der aktuellen Plakataktion des Bündnisses gegen Homophobie

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Seit Monaten gibt es eine mediale Auseinandersetzung mit rassistischem Sprachgebrauch. Dabei sind einige sehr begrüßenswerte Initiativen entstanden, wie die Streichung von rassistischen Begriffen in der Neuauflage der Bücher von Ottfried Preußler oder der offene Brief der ISD (Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland e.V.) an die taz, der von 61 Organisationen gezeichnet wurde. Auch in LSBTI- und queeren Kontexten wird Rassismus verstärkt thematisiert. Leider gibt es immer noch Organisationen und Zusammenschlüsse, die die Debatte und antirassistische Interventionen ignorieren und sich nicht mit rassistisch konnotiertem Sprachgebrauch auseinandersetzen.

Mit einer Plakataktion wirbt aktuell das Bündnis gegen Homophobie  auf über 1.000 Plakatflächen stadtweit für die Errichtung eines Denkmals für „die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung“ im Gedenken an Magnus Hirschfeld. Der Titel dieser Plakataktion ist: „Von Berlin aus startete eine schwarze Zeit für die Welt. Aber auch die bunteste Bewegung, die es je gab.“ Auf dem Plakat sind in grauen Farbtönen fünf Frauen aus den 1920ern Jahren vor dem Brandenburger Tor abgebildet, die von einer Regenbogenfahne umhüllt werden.

Auf dem Plakat wird die Farbbezeichnung „schwarz“ als Symbol für das NS-Regime und dessen Anfänge in der Weimarer Republik verwendet. „Schwarz“ wird hier als Charakterisierung für eine Menschenleben vernichtende und diktatorische Zeit herangezogen. Bereits 1982 schreibt May Ayim in „Farbe bekennen“, dass „schwarz“ seit dem Mittelalter für die Kennzeichnung des Bösen verwendet wird und dass diese Farbsymbolik untrennbar mit dem Rassismus gegenüber Schwarzen Menschen verwoben ist.

Nicht nur wird „schwarz“ zur Bezeichnung des Nationalsozialismus verwendet, gleichzeitig wird der Genozid an Jüd_innen, Sinti und Roma, Schwarzen und People of Color auf dem Plakat komplett aus der Geschichte gelöscht. Auch in der Pressemitteilung wird nur allgemein von Nazi-Terror gesprochen und es bleibt unerwähnt, gegen wen sich dieser Terror gerichtet hat.

Deutschland wird auf dem Plakat als Geburtsort der homosexuellen Bewegung und Magnus Hirschfeld als Geburtsvater beschrieben. Wenn sich in der Geschichtsschreibung der homosexuellen Bewegung auf das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee als erste Homosexuellenorganisation bezogen wird, stellen wir uns trotz unserer Wertschätzung von Hirschfelds Arbeit die Frage, wer überhaupt über das Privileg verfügte sich in akademischen und Vereinsstrukturen zu betätigen. Auch werden andere Bewegungs- und Widerstandsformen nicht wahrgenommen und damit unsichtbar gemacht.

Wir fordern eine Anerkennung antirassistischer Bewegungen und Interventionen, eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichtsschreibung der homosexuellen Bewegung und einen absoluten Verzicht auf rassistischen Sprachgebrauch.

Quelle: http://www.lesmigras.de