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8. März Internationaler Frauentag

Pressemitteilung von GLADT und LesMigraS zum Internationalen Frauen*tag 08. März 2013

Eine Studie (2011) von Unifem besagt, dass 70% aller Frauen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal sexueller oder physischer Gewalt ausgesetzt waren, wobei die Personen, die die Gewalt ausübten, in den häufigsten Fällen aus vertrauter Umwelt stammten. In einer Zeit, in der Betroffenen von sexualisierter Gewalt die (Mit-)Schuld für die Gewalt, die sie erlebt haben, gegeben wird, ist der Internationale Frauentag so wichtig wie eh und je. Auch im „westlichen“ Alltag werden Betroffene für das Erlebte beschuldigt und Personen, die Gewalt ausgeübt haben, werden nicht zur Verantwortung gezogen. Sexualisierte Gewalt und Sexismus in Institutionen ist auch in „unserer“ Gesellschaft, die sich gerne als „fortschrittlich“ im Gegensatz zu anderen Gesellschaften ansieht, an der Tagesordnung.
Die Tatsache, dass es in Deutschland noch immer Krankenhäuser gibt, die vergewaltigten Frauen* die «Pille danach» verweigern oder sie nur „in bestimmten Fällen“ (Erzbischof J. Meisner am 31.1.2013)  erlauben, ist unhaltbar. Ebenso wie die Tatsache, dass sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen immer wieder zu keiner Verurteilung führen, wie sich im September vergangenen Jahres zeigte. So wurde der Täter nicht verurteilt, da die 15-jährige sich nicht „ausreichend gewehrt“ habe. In diese Reihe passen auch die zahlreichen teilweisen oder kompletten Kürzungen der Mittel für Frauenhäuser im letzten Jahr, u.a. in Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein.
Frauen* erleben und überleben sexualisierte Gewalt. Jedoch sind wir nicht alle gleich: Einige von uns erfahren gleichzeitig auch Rassismus, Klassismus, Homophobie, Transphobie und weitere Diskriminierungen. Mehrfachzugehörige werden durch Gewalt und Diskriminierung stärker belastet und erfahren weniger Unterstützung. Deshalb ist es wichtig, eigene Privilegierungen zu reflektieren und innerhalb einer feministischen Bewegung diese Privilegien gegenüber anderen Frauen* auch im Blick zu haben. Es ist wichtig, Mehrfachzugehörigkeiten in unseren Forderungen in den Mittelpunkt zu stellen, ohne Gewalt dabei zum Problem „anderer“ Kulturen zu machen. Diskriminierungen lassen sich nicht hierarchisieren und sollen auch nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Seit mehreren Jahrzehnten kämpfen People of Color, Arbeiter_innen, Migrant_innen, Schwarze Frauen* und Trans*Menschen, Frauen* und Trans* Menschen mit körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen, illegalisierte und geflohene Frauen* und Trans*Menschen und intergeschlechtliche Menschen für ihre Rechte.
Am 08. März gehen wir gemeinsam auf die Straße, um auf sexualisierte Gewalt, Sexismus, Rassismus, Mehrfachdiskriminierung, Armut und Diskriminierung aufgrund von sexueller und geschlechtlicher Identität hinzuweisen und uns hörbar dagegen auszusprechen.


Wir fordern mehr Unterstützung für mehrfachzugehörige Frauen*,
ohne dass Gewalt kulturalisiert wird!


Deshalb rufen GLADT und LesMigraS gemeinsam auf, sich an der Demo von Women in Exile am 08. März 2013 zu beteiligen. Los geht’s um 12 Uhr am Hauptbahnhof in Potsdam.

Quelle: http://www.lesmigras.de