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Die Nominierung von LesMigraS der Lesbenberatung Berlin
für den Clara – Zetkin – Frauenpreis 2011


Vor 73 Jahren, im Jahre 1928  hat Clara Zetkin als Vertreterin der proletarischen Frauenbewegung die bürgerliche Frauenbewegung dafür kritisiert, die fundamentalen Zusammenhänge von Geschlecht und Klasse zu leugnen. Hierbei plädiert sie für eine Betrachtung der „vielverzweigten sozialen Zusammenhänge“ in Bezug auf Forderungen zur Befreiung der Frauen. (Zur Geschichte der proletarischen Frauenbewegung Deutschlands 1928)

Dies war ein Hinweis darauf, dass Frauen mehr sind als ihr Geschlecht. Dass Frauen neben ihrem Geschlecht auch andere Zugehörigkeiten, bei Clara Zetkin die Zugehörigkeit zu ihrer Klasse haben, die ihre Lebensrealität und ihre Diskriminierungserfahrungen beeinflusst.

Auch wenn Clara Zetkin damals nur auf zwei Aspekte der Lebensrealität von Frauen hingewiesen und diese sogar in einem hierarchischen Verhältnis zu einander gestellt hat, war ihr Ansatz im deutschen Kontext einer der ersten Ansätze in Bezug auf Mehrfachzugehörigkeit und Mehrfachdiskriminierung von Frauen.

Dieser Ansatz stellt in einer inzwischen differenzierter entwickelten  Form die Überzeugung und die Arbeitsweise von LesMigraS und der Lesbenberatung Berlin dar. Denn Frauen haben vielfältige Ausdrucksweisen von gender, denken wir  z.B. an  Trans*Frauen, sie haben verschiedene Hautfarben, kulturelle Zugehörigkeiten, sexuelle Lebensweisen, soziale Zugehörigkeiten, Körperlichkeiten und Alter. Diese Zugehörigkeiten beeinflussen in einem hohen Maß ihre Lebensrealität und bestimmen damit maßgeblich ihre Diskriminierungserfahrungen.

Den Mitarbeiter_innen der Lesbenberatung Berlin ist bewusst, dass die Befreiung von Lesben, Bisexuellen und Trans*Menschen von Gewalt und Diskriminierung ohne die Befreiung der Frauen von heteronormativen  Normen und Gesetzen nicht möglich ist. Denn diese Normen und geschriebenen oder nichtgeschriebenen Gesetze sind es, die bestimmen, wie Frauen sich zu benehmen und wen Frauen zu lieben haben und wer überhaupt zur Kategorie Frau gehören darf.
Die Lesbenberatung Berlin und ihr Antidiskriminierungs- und Antigewaltbereich LesMigraS hat sich seit 12 Jahren zum Ziel gesetzt, Mehrfachzugehörigkeiten und Mehrfachdiskriminierungen von lesbischen, bisexuellen Frauen und Trans*Menschen für Politik und Öffentlichkeit, für Projekte, NGO’s und Aktivistinnen sichtbar zu machen. Dabei kann eine Bekämpfung von Sexismus nicht von der Bekämpfung von Erfahrungen von Armut, Homophobie, Transphobie, Rassismus sowie Alters- und Behindertenfeindlichkeit von Frauen getrennt werden. Jegliches Engagement für  die Selbstbestimmung und Befreiung von  Frauen muss all diese Ebenen einbeziehen.

Wir hoffen auf ein gemeinsames Engagement und eine gute Zusammenarbeit in dieser Sinne und bedanken uns an dieser Stelle bei der Rosa Luxemburg Stiftung für die Auszeichnung. Danke!

LesMigraS-Team

Quelle: http://www.lesmigras.de