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Gewalt oder Diskriminierung erfahren? Das können Sie tun!

Wenn Sie Diskriminierung und/oder Gewalt erlebt haben:

Reden Sie mit einer Person, der Sie vertrauen.

Es tut gut, nicht allein zu sein.

Machen Sie sich keine Vorwürfe.

Es ist nicht Ihre Schuld, dass Sie Diskriminierung oder Gewalt erfahren haben. Jeder Person kann es passieren, Gewalt zu erleben. Die Verantwortung liegt bei der Person, die die Gewalt ausgeübt hat.

Holen Sie medizinische Hilfe.

Wenn Sie verletzt wurden, Schmerzen haben oder sich körperlich nicht wohl fühlen, holen Sie medizinische Hilfe.

Wo kann ich hingehen?

Gehen Sie zu einer Ärztin oder einem Arzt, der_dem Sie vertrauen. Am besten jemanden, bei der_dem Sie sich wohlfühlen und mit der_dem Sie vielleicht über Ihre Erfahrung sprechen können. Es ist wichtig, dass die Ärztin_der Arzt alle Verletzungen und Schmerzen von Ihnen dokumentiert. Dies kann später hilfreich sein. Zum Beispiel wenn Sie sich entscheiden, eine Entschädigung einzufordern oder eine Anzeige bei der Polizei zu machen.

Wenn Sie möchten, können wir Ihnen bei der Suche nach Ärzt_innen helfen.

Auch wenn Sie keine Papiere / keinen legalen Aufenthalts-Status in Deutschland haben, können Sie medizinische Hilfe bekommen! Das Büro für medizinische Flüchtlings-Hilfe vermittelt Sie anonym und kostenlos an Ärzt_innen.
Wenn Sie Folter oder (Kriegs-) Gewalt erlebt haben, bietet das Behandlungs-Zentrum für Folter-Opfer Berlin medizinische und therapeutische Behandlung an.


Machen Sie sich auch Gedanken über folgende Fragen – alleine oder mit der Unterstützung von Anderen:


Sind Sie in Sicherheit vor weiterer Diskriminierung und Gewalt?

Es ist gut, gemeinsam mit Freund_innen und / oder Ihrer Familie, mit eine_r Berater_in oder Betreuer_in zu überlegen, ob Sie aktuell außer Gefahr sind. Überlegen Sie auch, was Sie brauchen, um sich sicher zu fühlen (zu Hause oder wenn Sie vor die Türe gehen, zum Beispiel).

Wie können Sie Ihre Situation verändern?

Überlegen Sie, was Sie brauchen, um sich sicher und besser zu fühlen! Denken Sie auch darüber nach, was Sie jetzt tun können. Es ist wichtig, dass Sie sich vor weiterer Gewalt schützen und Ihre Situation ändern. Hier sind einige Beispiele:

  • Unterstützung holen (Freund_innen, Familie, Beratungs-Stellen etc.)
  • sich von Personen trennen, die Ihnen nicht gut tun
  • Bedingungen ändern, die das Erleben von Gewalt fördern etc.

Möchten Sie vielleicht eine Beratung machen?

In einer Beratung können Sie reden, Fragen stellen und Unterstützung bekommen. Sie können persönlich, am Telefon, per E-Mail oder Chat beraten werden. Die Beratungen sind kostenlos und anonym. Sie können zum Beispiel auch eine_n Freund_in fragen, ob sie_er mit Ihnen hingeht.
Sie können auch an einer Gruppe oder einem Workshop teilnehmen. Dort können Sie über Diskriminierungs- und Gewalt-Erfahrungen sprechen. Es tut gut, sich mit anderen auszutauschen und mit den Erfahrungen nicht allein zu sein.

Möchten Sie zur Polizei gehen?

Es gibt auch die Möglichkeit, dass Sie zur Polizei gehen und dort von Ihren Erfahrungen erzählen. Wir können Sie dorthin begleiten, wenn Sie das möchten.

Bei der Berliner Polizei gibt es Ansprech-Partner_innen für gleich-geschlechtliche Lebensweisen. Diese unterstützen Sie bei allen Fragen rund um die Polizei, die den Bereich lesbische und schwule Lebensweisen betreffen.

Sie können diese Ansprech-Partner_innen der Berliner Polizei direkt kontaktieren:

Maria Tischbier und Harald Kröger, Tel: 030 – 46 64 979 444

Wenn die Polizei eingeschaltet ist, können wir Sie bei den weiteren Schritten begleiten, z.B. eine Anwält_in finden, Sie zu Gerichtsterminen begleiten, Sie beim Schreiben von Briefen an die Polizei oder Gericht unterstützen.
Wir unterstützen Sie auch, wenn Sie von Polizist_innen Diskriminierung oder Gewalt erlebt haben und sich beschweren möchten.
Sie finden hier mehr Informationen – besonders, wenn Sie eine Anzeige erstatten wollen.

Wenn Sie keine Papiere / keinen legalen Aufenthalts-Status in Deutschland haben, können Sie hier Unterstützung bekommen:

Schreiben Sie ein Gedächtnis-Protokoll der Situation und Ihrer Erlebnisse. Dokumentieren Sie Beweis-Mittel.

Vielleicht möchten Sie jetzt gerade keinen offiziellen Weg einschlagen. Schreiben Sie aber trotzdem ein Gedächtnis-Protokoll. Dokumentieren Sie auch Beweis-Mittel. Für die Zukunft kann das sehr hilfreich sein. Und auch für Ihre eigene Erinnerung ist das gut und wichtig.
Ein Gedächtnis-Protokoll ist wie eine Zusammenfassung der eigenen Erlebnisse. Schreiben Sie genau auf, was passiert ist:

  • Datum und Uhrzeit
  • Was ist geschehen?
  • Wer hat was gemacht?
  • Waren Zeugen_Zeuginnen dabei?
  • Wo ist es geschehen?

Beweise können zum Beispiel sein: Fotos von Schmierereien an Ihrem Briefkasten, Droh-Briefe, ein Protokoll über beleidigende oder diskriminierende Sprüche am Arbeitsplatz, ein ärztliches Attest über Verletzungen.

Finden Sie einen Weg, mit dem Erlebten umzugehen.

Jeder Mensch reagiert sehr unterschiedlich auf Erfahrungen von Gewalt und Diskriminierung. Es kann sein, dass Sie psychische und körperliche Beschwerden haben. Jeder Mensch geht auch unterschiedlich mit den Erfahrungen um und hat andere Bedürfnisse. Vielleicht möchten Sie jetzt viel allein sein. Oder Sie möchten viel Zeit mit Ihren Freund_innen verbringen. Vielleicht brauchen Sie Zeit und Ruhe, um über das Erlebte nachzudenken. Oder Sie möchten sich nur ablenken und so schnell wie möglich in den Alltag zurückkehren. Vielleicht macht Sie die Erfahrung auch einfach nur wütend. Oder sie weckt in Ihnen das Bedürfnis, sich aktiv gegen Gewalt und Diskriminierung zu engagieren. Alle diese Bedürfnisse sind okay. Sie entscheiden, was sich für Sie am besten anfühlt. Vertrauen Sie Ihrer Intuition, Ihren Bedürfnissen und Wünschen. Nehmen Sie Unterstützung in Anspruch, wenn Sie möchten.

Ein paar Dinge, die Ihnen vielleicht helfen:

  • Kunst (malen, Theater spielen, Film, schreiben, Comics zeichnen, … )
  • Sport machen
  • zu einer Beratung oder Therapie gehen
  • Zeit mit Menschen verbringen, mit denen Sie sich gut fühlen
  • einen Selbst-Verteidigungs-Kurs machen
  • darüber lesen, was mit einem Menschen passiert, wenn sie_er Diskriminierung und Gewalt erlebt
  • sich politisch gegen Gewalt und Diskriminierung engagieren: in Ihrer Schule, auf der Arbeit, mit Ihren Freund_innen oder ehrenamtlich bei Anti-Gewalt-Projekten

Erläuterungen

Unterstrich: Der Unterstrich " _ " (z.B. Migrant_innen) bietet Raum für selbst-gewählte Identitäten, für mehr als nur weiblich und männlich. Wir benutzen bei LesMigraS / Lesbenberatung Berlin e.V. diese Schreibweise, um aufzuzeigen, dass es mehr als zwei Geschlechts-Identitäten gibt.


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Quelle: http://www.lesmigras.de